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Witte-Fabrik: Zwangsversteigerung Planverfahren 1073 Christbusch

9. März 2026

Große Anfrage der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen an den Ausschuss für Stadtentwicklung, Wirtschaft, Bauen und Standortmarketing am 30.04.2026

Sehr geehrter Herr Schulte,

die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen bittet die Verwaltung zur Zwangsversteigerung des Grundstücks der ehemaligen Witte-Fabrik Christbusch 6, 8 und Hesselnberg, 42285 Wuppertal um die Beantwortung folgender Fragen:

  1. Kann die Stadt Wuppertal das Grundstück (Barmen Blatt 2810, Flur 234, Flurstück 131) vorläufig erwerben, selbst sanieren und entwickeln? Dies wäre eine vergleichbare Herausforderung, wie sie mit dem Smart-Tec-Campus (Bergische Sonne) erfolgreich gemeistert wurde.
  2. Oder kann die Stadt Wuppertal durch einen vorläufigen Erwerb Zeit gewinnen, um planmäßig nach Unternehmen zu suchen, die das Grundstück in zentraler Lage im Sinne der Bürger:innen der Stadt weiterentwickeln?
  3. Wie kann die Wirtschaftsförderung in diesen Prozess einbezogen werden?
  4. Stehen trotz vorläufiger Haushaltsführung Mittel für den Ankauf von Flächen für die Entwicklung von Wohn- oder Gewerbestandorten zur Verfügung?

 

Begründung
Am 21. Mai findet am Amtsgericht Wuppertal eine Versteigerung im Wege der Zwangsvollstreckung des Grundstücks der ehemaligen Witte-Fabrik statt (Grundstück Barmen Blatt 2810). Der Verkehrswert ist auf 115.000 € angesetzt. Die Zwangsvollstreckung ist eine Folge der Insolvenz des vorhergehenden Eigentümers, der Bonafide GmbH.
Auf dem Grundstück stehen aktuell noch teilabgerissene Industriebauten und Garagen. Ein nachfolgender Gesamtabriss und Freilegung des Grundstücks ist laut Gutachten (Erika Schaks, Langenfeld) unumgänglich. Die Gebäude und die Böden, insbesondere die Zwischendecken (Mineralöle) und der Gebäudeteil der ehemaligen Galvanik (Kupfer, Chrom), sind sehr belastet. Die Sanierung ist insbesondere im Hinblick auf die kontrollierte Schuttentsorgung aufwendig, aber technisch machbar und typisch für den Abriss und die Sanierung industriell belasteter Böden (Siehe Heubruch oder Gaskessel Heckinghausen). Dem gegenüber steht ein Grundstück in zentraler Lage in Wuppertal mit guter Anbindung an S-Bahn, Bus und Autobahn, das sich z.B. für ein kombiniertes Arbeiten- und Wohnprojekt eignen würde.

Seit der Insolvenz der ehemaligen Witte-Fabrik 2009 hat das Grundstück mehrfach den Besitzer gewechselt. Der letzte Käufer, die Bonafide GmbH, hatte beim Erwerb 2020 ein konkretes Bauprojekt für ein Seniorenwohngebäude mit ca. 110 Wohnungen entwickelt. Leider war die Finanzierung nicht abgesichert und die bundesweit tätige Bonafide GmbH ist bereits vor zwei Jahren in Insolvenz gegangen. Aus dieser Erfahrung heraus ist es notwendig, sich die Erwerber:innen, ihre Projekte, die Seriosität und finanzielle Sicherheit der Unternehmen sehr genau anzusehen, bevor dem Verkauf zugestimmt wird. Rechtlich ist es unproblematisch, wenn die Stadt Wuppertal selbst das Grundstück besitzt.

Bei dem sehr niedrig angesetzten Verkehrswert besteht die Gefahr, dass Immobilienentwickler das Grundstück erwerben in der Hoffnung es zu einem konjunkturell günstigeren Augenblick weiterzuverkaufen. Das heißt aber für weitere Jahre müssen die Quartiersbewohner:innen am Hesselnberg mit einer Bauruine vor der Haustür leben. Das kann nicht im Sinne der Stadt Wuppertal sein.

 

Mit freundlichen Grüßen

Anja Liebert                                          Dagmar Liste-Frinker

Sprecherin für Stadtentwicklung        Sprecherin Wirtschaft, Marketing